Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich ein großer Marvel-Fan bin. Egal ob Filme, Kurzfilme, Serien oder die tatsächlichen Comics, es gibt wenig das mir nicht gefällt. Ich möchte mich hier jedoch nicht als Experte profilieren, denn es gibt natürlich Menschen die deutlich mehr gelesen haben, deutlich mehr wissen und sich auch wesentlich mehr über verschiedene Verhältnisse und Zusammenhänge gemerkt haben. Dennoch möchte ich in diesem Post auf eine Sache eingehen, die mich an Marvels neustem Film „Age of Ultron“ sehr gestört hat.

Alles in allem fand ich den Film durchschnittlich. Er kam nicht ganz an den ersten „Avengers“ Film von 2012 heran, aber er bot doch knapp zweieinhalb Stunden gute Unterhaltung. Es kamen wieder die üblichen Elemente vor, wie grandios inszenierte Kampfszenen mit sehr viel CGI, einige lustige Szenen, um dem Film etwas die Geschwindigkeit zu nehmen und auch die eine oder andere sehr motivierende Ansprache eines Helden.

Um das für mich problematische Detail mit den Maximoff-Zwillingen zu erklären, muss ich im Folgenden genauer auf den Inhalt eingehen, deshalb kommen ab hier Spoiler für alle bis jetzt veröffentlichen Marvel Medien vor!

In den Comics sind Wanda (Scarlet Witch) und Pietro (Quicksilver) Maximoff die Kinder von Erik Lensherr, besser bekannt als Magneto aus der X-Men Serie, was sie auch zu Mutanten macht. Durch einen Copyright-Streit mit 20th Century Fox Studios darf Marvel Studios jedoch die Bezeichnung ‚Mutant‘ nicht verwenden. Deshalb gehen ein „Age of Ultron“ vorausgegangener Comic und die Mid-Credit-Szene in „Captain America: The Winter Soldier“ auf den Ursprung von Pietro und Wandas Kräften ein. So werden die Kräfte der Zwillinge damit erklärt, dass sie, nachdem ihre Eltern von einer Stark Industries Waffe getötet wurden, als Freiwillige HYDRA beitreten. Dort experimentiert Baron von Strucker mit Hilfe von Lokis Zepter an ihnen und anderen, es überleben jedoch nur Wanda und Pietro mit neuen Kräften: sie wird zu Scarlet Witch und kann ihre unmittelbare Realität nach ihrem Willen verändern und Gedanken lesen; er wird zu Quicksilver und kann schneller laufen als der Schall. Beide kämpfen zunächst für HYDRA und Ultron gegen die Avengers, entscheiden sich dann aber, nachdem Wanda Ultrons wahre Pläne gesehen hat (die vollständige Auslöschung der Menschheit) doch dafür, sich mit den Avengers zu verbünden.

HYDRA ist im Marvel Cinematic Universe, wie im ersten „Captain America“ Film erklärt, eine militärische Nazi Wissenschafts-Abteilung unter der Leitung von Johann Schmidt, besser bekannt als Red Skull. In den Comics ist auch Baron von Strucker Gründungsmitglied von HYDRA. HYDRA hat, wie in „Captain America: The Winter Soldier“ und „Agents of S.H.I.E.L.D.“ zu sehen, S.H.I.E.L.D. (die „gute“ Organisation, die die Superhelden im Auge behält) komplett unterwandert und über Jahre hinweg im Geheimen durch Terror, Erpressung und Mord versucht ihre Agenda durchzusetzen.

Diese beiden Elemente passen für mich überhaupt nicht zusammen: auf der einen Seite jüdische Zwillinge mit Roma-Wurzeln, die im Comic-Kanon Kinder eines Holocaust-Überlebenden sind und auf der anderen Seite eine „böse“ von Nazis gegründete Organisation, die -unter anderem- an Menschen experimentiert und (wie alle Comic-Schurken) die Weltherrschaft an sich reißen will.

An dieser Stelle muss ich mich an das Team hinter dem Film, allen voran Joss Whedon als Drehbuchschreiber und Regisseur, wenden und fragen, wie es für Kenner der Comics plausibel sein soll, dass Wanda und Pietro sich freiwillig für menschliche Experimente gemeldet haben, noch dazu in einer Nazi-Organisation? Auch wenn man die Origin Story aus den Comics getrennt von jener im Cinematic Universe sieht, finde ich die Entstehung der Kräfte der Zwillinge doch – milde ausgedrückt – unglücklich erklärt. Jeder Mensch, der auch nur ein bisschen über Nazis und ihre Verbrechen vor und während des zweiten Weltkrieges weiß, hat davon gehört, dass auch an Menschen experimentiert wurde; gerade an politischen und ideologischen Gefangenen, zu denen bekanntermaßen sowohl Juden als auch Roma gehörten.

Ich würde mir wünschen, dass zukünftige Drehbücher auch bei ’seichtem Popcornkino‘ mit wenig künstlerisch-kulturellem Wert mehr Rücksicht auf solche Verfehlungen nehmen und sich bemühen, diese zu vermeiden. Derartige Missgriffe sind in unserer heutigen Gesellschaft einfach nicht entschuldbar oder ‚wegzuerklären‘ und sollten meiner Meinung nach nicht mehr passieren.

Wahrscheinlich geht es vielen Kinobesuchern, die Scarlet Witch und Quicksilver nicht aus den Comicvorlagen kennen anders, aber ich persönlich kann diese beiden Aspekte (Comics und Cinematic Universe) schlecht voneinander trennen. Auf einschlägigen Fan-Seiten, wie beispielsweise auf Tumblr, wird diese Diskrepanz auch ausschweifend diskutiert, was für mich ein Argument dafür ist, dass ich nicht die einzige bin, die sich über die nicht überzeugende Abwandlung der Origin Story der Maximoff-Zwillinge gewundert hat.